Tourtagebuch Part 02: Vom Schloss in die Stadt der Verbannung und dann ins Paradies mit geringfügigen Nachteilen

Röhrsdorf

Wir verlassen das Melt frohen Mutes, wenn man sich auch ungernst von der Hälfte unserer Reisegesellschaft trennen muss. Aber zum Glück wissen wir ja, wo es als nächstes hingeht – in das Schloss der Künstlerkommunität Röhrsdorf, der Ort mit den wunderschönen Hotelzimmern, den netten Menschen, der schönen Umgebung und vor allem: ein Ort mit Duschen. Also knallen wir mit Bleifuss los und sind in Gedanken schon sauber und erfrischt.

Wie schon beim letzten Mal werden wir aufs herzlichste empfangen, gefüttert und verwöhnt. Ein sehr schöner Abend, den wir verhältnismäßig früh beenden – das Festival fordert seinen Tribut.

Darmstadt

Darmstadt finden ist nicht schwer, jedoch im Schlosskellergarten ankommen ist eine große Herausforderung. Trotz des ambitionierten Studenten mit Supershirt (“Regatta Nord – kalt aber geil”), der wie ein Reh vor uns herspringt, um den Weg für uns zu erkunden, cruisen wir wie seinerzeit das Volk Israel mindestens sieben mal um die Mauern des Schlosses herum. 

Bis zum Haaransatz mit Käse gefüllt (das kommt davon, wenn man hungrig bestellt und die regionale Küche nicht gut kennt) spielen wir das Konzert in einem Grün beleuchteten Biergarten vor lauter jungen Menschen. 

Schöner Moment: Willi am Ende des Auftrittes: “Vielen Dank, es war wunderschön, bei euch zu spielen!” Antwort von einem Typen aus dem Publikum: “Du bist wunderschön!”

Weitere prägnante Erlebnisse in Darmstadt: Wir fliegen aus einem Schmierlappen von Kneipe raus (warum kann ich an dieser Stelle nicht sagen) und am nächsten Tag werden wir des Badesees verwiesen, den wir, sportlich wie wir sind, über den Zaun kletternd erreichten. Von einem überambitionierten jungen Bademeister und einer sehr bösen Frau. Daher wird man nun auf ewig mit Darmstadt die Worte “Raus. Sofort.” verbinden. Das wäre dann auf jeden Fall neu für LINGBY. Sind wir jetzt endlich richtige Rockstars?

Stuttgart

Das Galao in Stuttgart und sein Betreiber Reiner sind der Wahnsinn. Es geht weder gemütlicher, noch leckerer, noch großzügiger, noch freundlicher. Echt mal, was geht?!

Wir sind bester Laune – bis sich wieder einmal herausstellt, was wir alle schon wussten: es gibt ein Naturgesetz der Tour. Die schönsten Orte bringen die beschissensten Konzerte, und die schmierigsten Ranz-Orte die besten. 

Gleich beim letzten Schlag des ersten Stückes fällt Dennis ein Scheinwerfer knapp am Kopf vorbei. Dieser wiederum löst eine Kette von technischen Schwierigkeiten aus, da sich im Stromkreis irgendwelche Dinge verändert zu haben scheinen. Jedenfalls fällt fast bei jedem Stück eins meiner Tasteninstrumente aus. Das Nord zeigt mir, dass es mit all seinen Lämpchen so viel leuchten und blinken kann, dass es aussieht wie ein Feuerwerk. Das Juno hat irgendwann keinen Bock mehr und schweigt. Zugegebenermaßen weiss ich noch immer nicht, ob die beiden sich schon wieder von dieser Tortur erholt haben.

Wir schwitzen auf der Bühne bis zur Grenze der Unkenntlichkeit. Ach, und hatte ich die aufdringlichen Koppelgeräusche bereits erwähnt?

Krasserweise bleibt das Publikum bis zum Ende in dem vollgepackten Raum – Respekt, Leute! 

Bereits kurze Zeit später können wir auch schon wieder lachen – es war ja zum Glück höhere Gewalt und keine Dummheit, das ist doch auch ein Grund zum Feiern. Was wir dann auch tun, mit allerliebstem Besuch aus Tübingen, Stuttgart und Berlin.

Ach ja:

Carmen und Willi sind immer noch Single.

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