Tourtagebuch Part 01: Leben wie die Könige auf dem Müllberg in der Stadt aus Stahl

Freitag, der 19.Juli.

Zu einer unchristlichen Uhrzeit sind insgesamt 11 Menschen im sommerheissen Köln verabredet. Sie sind mit Campingstühlen, Gepäck, Instrumenten, Kameras und Stativen beladen und machen sich auf in Richtung Ferropolis.

Bevor wir uns im Agnesviertel zum Autos beladen treffen, gehen beide Reisegruppen ihrer eigenen Wege – während die eine Fahrtgesellschaft sich erstmal in Ruhe beim Metzger des Vertrauens mit Leberkäsebrötchen für 1€ und luftgetrockneten Würstchen eindeckt, machen die anderen bereits die erste Nahtoderfahrung auf der Turiner Strasse. Langweilen werden wir uns alle nicht, und auch nicht hungern. Soviel steht bereits fest.

Die Ankunft auf dem Festivalgelände wird von allen gefeiert – zum einen, weil endlich der zermürbende Massen-Einkauf im Kaufland geschafft ist und weil die Kartons mit den vielen Bier- und Ravioli-Dosen langsam dauerhafte Kerben in unsere Beine graben, und zum anderen ist es  das erste Mal auf einem VIP-Camping-Platz, und auch der Backstage-Bereich kann sich sowas von sehen lassen. Und die Bagger.

Wir leben wie die Könige in unserem wachsenden Müllhaufen und freuen uns wie die kleinen Kinder über alles: Selbstgebaute Sonnensegel aus wild zerschnittenen Ersatzzelten, Ravioli zum Frühstück, Longdrinks aus Tetrapacks und vor allem unerschöpflich sinnlose Konversation.

Abgesehen davon ist unsere illustre Gesellschaft auch einfach perfekt zusammengestellt, und vor allem unsere BegleiterInnen finden sich sehr schnell in unerwartete, aber nicht minder wichtige Aufgabengebiete ein.

Am Samstag werden alle LINGBYs zunehmend nervös – wäre es nicht so unheimlich heiss gewesen, wären wir sicher noch wesentlich hysterischer geworden, aber zum Glück brannte uns die Sonne jeglichen Stress aus Körper und Geist, und selbst nervös sein ging nur in Zeitlupe.

Konzert im Introzelt spielen ist eine sehr, sehr schöne Erfahrung – da wollen wir wieder hin!

Dank unseren Freunden werden wir den Auftritt zum Glück sowohl fotografisch als auch in bewegten Bildern nochmals sehen können – und ihn natürlich auch mit dir teilen, lieber Leser!

Nun noch diverse Beobachtungen, Random Facts und spektakuläre  Schlagzeilen unserer Zeit auf dem Melt:

– Linus ist nicht nur sehr herzlich und nett und unterstützt uns, sondern er kann auch echt gut Schweissbänder und Stulpen tragen. Die stehen ihm wirklich!
– Ravioli zum Frühstück sind lecker.
– Wir haben es schon wieder verpasst, endlich mal richtige Drogen auszuprobieren.
– Wir haben auf dem Zeltplatz nebenan Pornohontas gesehen.
– Pete Doherty hat ein Oberteil von Bench für umme bekommen. Der alte Heiopei.
– Flea kann wirklich slappen – Jay hat ihn im Backstage auf frischer Tat ertappt.
– Thom Yorke hat jetzt eine Lingby-EP, dank dem großen Mut meiner kleinen Schwester Carmen und dem Pep-Talk der Produktionsleitung. Unbe-fucking-lievable!
– Der Typ von Flying Lotus hatte ein hübsches Hemd an, in einer ungewöhnlichen Farbe.
– Weggesprengt wurden wir übrigens kollektiv von Archive und Atoms vor Peace. Und Jeder für sich von diversen anderen. Toll, was man alles sehen konnte.

Alles in allem kann man als Fazit sagen:

Geiler Rave.

Und Carmen und Willi sind immernoch Single.

Jetzt fahren wir auf’s Schloss.

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